Roteichen können Zieldurchmesser von 60 cm und mehr in wesentlich kürzerer Zeit erreichen, als heimische Eichenarten. Foto: K. Schlotmann
Waldbauern in Aufruhr!

Die Roteiche – eine “rote” Alternative

Die amerikanische Roteiche hat sich in Europa etabliert und ist eine echte Alternative zur Buche geworden. Was die Eichenart kennzeichnet und vor allem als Mischbaumart auszeichnet, haben wir uns angeschaut.

 

Roteichen kennen viele Waldbesucher vor allem wegen ihrer intensiven Herbstfärbung im „Indian summer“. Aber auch waldbaulich hat die nordamerikanische Eichenart einiges zu bieten: Sie ist wuchsstark, produziert ein wertvolles Holz und verträgt Wärme besser als viele ­heimische Arten. Das macht sie zu einer klimastabilen Alternative.

Überzeugendes Wachstum

„Nach den Ergebnissen der Bundeswaldinventur von 2012 ist die Roteiche die am meisten angebaute ausländische Laubbaumart in Nordwestdeutschland“, sagt Dr. Josef Stratmann, der in Niedersachsen lange Zeit Roteichenbestände untersucht hat. Ein wesentlicher Grund für den verbreiteten Anbau sind ihre Wuchsleistungen, die seit Beginn des forstlichen Anbaus – etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts – immer mehr Waldbesitzer überzeugt haben.

Die Roteiche erreicht auf vielen Standorten starke Durchmesser und hohe Holzvorräte in deutlich kürzerer Zeit als die heimischen Eichen. Zugleich ist sie hinsichtlich des Standorts weniger anspruchsvoll, so die Erfahrung des Forstwissenschaftlers. „Da die Roteiche auch gegenüber der Buche lange Zeit überlegen bleibt, bewerten viele Experten sie als zuwachskräftigste Hartholzart in Nordwestdeutschland“, erklärt Stratmann.

„Northern Red Oak“

Roteichen-Versuchsflächen der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt im Alter von 100 Jahren zeigen Gesamtwuchsleistungen bis zu 900 fm, was besten Buchen-Bonitäten gleichkommt. Höhen von weit über 30 m und Durchmesser deutlich über 60 cm sind in 100-jährigen Altbeständen nicht selten, meint Stratmann. Dabei ist gutes Wachstum nicht auf gute Standorte beschränkt, vielmehr ist es auf einer breiten Standortpalette anzutreffen.

Roteichen sind vor allem wegen ihres bunten Herbstlaubes im “indian summer” bekannt. Foto: Platon Haritonov/stock.adobe.com

Was die Roteiche besonders interessant macht: Im ­atlantischen Klima Westdeutschlands ist sie im Bereich der mäßig nährstoffversorgten Böden immer noch ausgesprochen wuchskräftig, sofern genügend Wasser verfügbar ist. Ausgeprägte Staunässe verträgt sie dagegen nicht und auch Kalkstandorte sagen ihr nicht zu. Auf armen, trockenen Sandböden kommt die Roteiche rasch an ihre Anbaugrenze – dafür gibt es im Münsterland ernüchternde Bilder, urteilt der ehemalige Forstamtsleiter.

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